Narbenbehandlung in der Praxisklinik Bayreuth

Narbenbehandlung

Dr. med. Hausding beantwortet 21 Fragen zur Narbenbehandlung - von Narbenarten und Keloiden über Laser, Kortison und operative Korrektur bis zu Nachsorge und Kosten. Konkrete Antworten aus der Praxisklinik in Bayreuth.

  1. 1. Narbenarten & Einordnung
  2. 2. Methoden & Techniken
  3. 3. Die Behandlung in der Praxis
  4. 4. Risiken & Komplikationen
  5. 5. Nachsorge & Heilung
  6. 6. Ergebnis & Erwartungen
  7. 7. Kosten & Krankenkasse

Narbenarten & Einordnung

Welche Narbenarten behandeln Sie - und worin unterscheiden sie sich?

Dr. med. Hausding: Wir behandeln verbreiterte Narben, hypertrophe Narben und Keloide.

Verbreiterte Narben entstehen, wenn Zug auf der Narbe liegt und sie sich dadurch verbreitert. Das ist keine krankhafte Veränderung, sondern ein kosmetisch unschönes Ergebnis. Bei der hypertrophen Narbe kommt es zu einer überschießenden Narbenreaktion, die auf die Narbe begrenzt bleibt. Beim Keloid ist die Narbenheilung so überschießend, dass das Gewebe die Narbe auch überschreitet.

Keloide neigen häufig zu einem Rezidiv - das heißt, sie kommen nach dem Ausschneiden wieder. Deshalb werden hier oft auch andere Techniken eingesetzt, etwa Kortison-Injektionen oder eine Laserbehandlung.

Wann sollte eine Narbe operativ korrigiert werden - und wann behandeln Sie konservativ?

Dr. med. Hausding: Das hängt von der Narbe ab, von ihrem Alter und davon, ob Zug auf ihr liegt.

Liegt Zug auf der Narbe - zum Beispiel durch ein Gelenk - sollte er durch Lappenplastiken oder andere Techniken reduziert werden, sodass die Narbe entlastet ist. Das führen wir operativ durch. Ansonsten kann zunächst abgewartet und konservativ behandelt werden.

Für wen ist eine Narbenkorrektur geeignet - und wann raten Sie eher ab?

Dr. med. Hausding: Führt eine Narbe zu einer funktionellen Einschränkung, etwa einer Bewegungseinschränkung, empfehlen wir die Korrektur so gut wie immer - außer es bestehen spezielle Kontraindikationen.

Zu diesen Kontraindikationen gehören eine starke Blutungsneigung, eine extrem überschießende Narbenheilung mit Keloiden oder die Befürchtung, dass sich der Befund durch die Operation verschlechtern könnte. Auch bei mehrfachen Rezidiven eines Keloids oder einer extremen Keloidneigung rate ich eher ab, wenn die Operation nicht wegen einer Funktionseinschränkung medizinisch indiziert ist.

Empfehlen können wir die Korrektur außerdem, wenn Zug auf einer Narbe im Bereich der Gelenke liegt oder wenn eine verbreiterte Narbe kosmetisch stört und wir mit der Operation erreichen können, dass weniger Zug auf ihr liegt - dann ist ein kosmetisch und ästhetisch schönes Ergebnis möglich.

Methoden & Techniken

Welche Methode setzen Sie bei welcher Narbe ein?

Dr. med. Hausding: Das hängt sehr von der Stelle ab, an der die Narbe liegt, und davon, wie sie aussieht. Die Möglichkeiten reichen von Pflastern und Kompression über Laser und Kortison bis zur Operation.

Eine frische Narbe direkt nach einer Operation kann mit Narbenpflastern, Silikonpflastern oder Kompression behandelt werden. Flächige Narben, die sich nur etwas abheben und nicht extrem überschießend sind, lassen sich sehr gut mit dem Laser oder mit Microneedling behandeln - beim Laser erneuert sich die Hautstruktur, sodass ein ebenmäßigeres Narbenbild entstehen kann.

Ist die Narbenheilung überschießend, aber noch flächig, kann Kortison die Narbe abflachen. Bei einer sehr überschießenden oder funktionell einschränkenden Narbe empfehlen wir die operative Behandlung.

Kombinieren Sie auch verschiedene Verfahren miteinander?

Dr. med. Hausding: Ja, auf jeden Fall. Oft werden Kortison-Injektionen, Operation und Laser nacheinander eingesetzt.

Häufig wird ein Keloid zunächst mit Kortison-Injektionen abgeflacht und anschließend operativ ausgeschnitten. Zwei bis drei Wochen nach der Operation kann dann die Behandlung mit dem Laser folgen.

Wie planen Sie die Schnittführung, damit die Narbe möglichst unauffällig wird?

Dr. med. Hausding: In der Haut gibt es sogenannte Spalthautlinien, an denen wir uns orientieren. Gerade in kosmetisch und ästhetisch wichtigen Bereichen ist die Schnittführung sehr wichtig.

Im Gesicht versuchen wir, die Narben entlang der kosmetischen Areale zu führen und diese möglichst nicht zu überschreiten - so lässt sich eine ideale Wund- und Narbenheilung erreichen.

Welche plastisch-chirurgischen Techniken wie Z-Plastik oder Lappenplastik setzen Sie ein?

Dr. med. Hausding: Diese Techniken nutzen wir täglich - bei fast jeder Narbe und jeder Schnittführung.

Gerade an der Hand setzen wir Z-Plastiken ein, weil dort sehr viel Bewegung und viele Gelenke sind. Über ein Gelenk sollte man niemals längs schneiden - besser seitlich beziehungsweise im Zickzack, um die Narbe vom Zug zu entlasten.

Beim Ausschneiden von Hauttumoren verwenden wir häufig Lappenplastiken, Z-Plastiken oder kombinierte Z-Plastiken für einen spannungsfreien Wundverschluss. Auch an besonders sensiblen Stellen, die Bewegung oder Mimik beeinflussen, arbeiten wir mit Lappenplastiken, um die Wunde spannungsfrei zu verschließen.

Was sind die wichtigsten Faktoren für eine gute Wundheilung?

Dr. med. Hausding: Es gibt drei Schlüsselfaktoren: der spannungsfreie Wundverschluss, das Sauberhalten der Wunde und der Schutz vor UV-Strahlung.

Das Sauberhalten der Wunde verhindert, dass es zu einem Wundinfekt kommt. UV-Strahlung verschlechtert jede Wundheilung - deshalb empfehlen wir hier immer einen deutlichen Schutz.

Entsteht durch die Korrektur nicht einfach eine neue Narbe?

Dr. med. Hausding: Jeder operative Eingriff führt zu einer Narbe - ohne Narben können wir nicht operieren. Wir können die Narbe aber so dezent wie möglich gestalten.

Das erreichen wir durch einen spannungsfreien Wundverschluss und dadurch, dass wir die Narben in Hautfalten oder an unauffälligere Stellen legen.

Die Behandlung in der Praxis

Wie läuft die Behandlung bei Ihnen ab?

Dr. med. Hausding: Am Anfang steht das Beratungsgespräch mit der Begutachtung der Narbe. Nach der Aufklärung folgen die OP-Planung und der Eingriff mit spannungsfreiem Wundverschluss.

Im Gespräch klären wir zunächst, wie die Narbe entstanden ist: durch einen geplanten Eingriff - zum Beispiel eine Bauchdeckenstraffung, eine Brustoperation oder die Entfernung eines Muttermals - oder durch einen Unfall. Bei einem Unfall ist wichtig, ob es eine saubere Schnittwunde war oder eine verschmutzte Wunde, etwa nach einem Sturz.

Anschließend begutachten wir die Narbe: Ist sie überschießend, liegt ein Keloid vor, ist sie verbreitert, in welcher Region liegt sie und liegt Zug auf ihr? Gegebenenfalls lassen wir Sie das Gelenk bewegen, um zu sehen, ob bereits Funktionseinschränkungen bestehen.

Danach besprechen wir mit Ihnen die Therapieoption, die Schnittführung und das realistisch erwartbare Ergebnis samt Risiko - auch wenn sich dieses nie genau vorhersagen lässt. Dazu schauen wir uns auch Ihre anderen Narben an: Neigen Sie an vielen Stellen zu Keloiden, ist die Wahrscheinlichkeit dafür höher. Sehen die anderen Narben dagegen sehr schön und dezent aus, war es eher ein lokales Problem der einzelnen Narbe.

Nach der Aufklärung erfolgt die OP-Planung. Am OP-Tag zeichnen wir die neue Schnittführung an, schneiden gegebenenfalls die Narbe aus und verschließen die Wunde spannungsfrei.

In welcher Betäubung wird die Narbenkorrektur durchgeführt?

Dr. med. Hausding: Das hängt von der Stelle und vom Ausmaß der Narbe ab: möglich sind eine lokale Betäubung, eine Regionalanästhesie - dabei wird zum Beispiel der Arm betäubt - oder eine Vollnarkose.

Risiken & Komplikationen

Welche Risiken gibt es - und wovon hängt der Erfolg ab?

Dr. med. Hausding: Der Erfolg hängt zum Teil vom Patienten selbst ab, zum Teil von unserer Operationstechnik - und auch von der Genetik.

Die Narbe muss sauber gehalten werden, denn ein Infekt führt zu einer Wundheilungsstörung und diese wiederum zu vermehrter Narbenbildung. Auf unserer Seite sind die Schnittführung, die Nahttechnik und die Wahl des Fadens wichtig.

Eine Rolle spielt auch die Genetik: Neigt ein Patient zu Keloiden, Wundheilungsstörungen oder vermehrter Narbenbildung, können auch die besten Techniken oft nur begrenzt helfen.

Kann sich eine Narbe durch die Korrektur verschlechtern - und wie oft sind Folgebehandlungen nötig?

Dr. med. Hausding: Hundertprozentig ausschließen lässt sich das nicht - es ist aber generell selten, und wir planen jeden Eingriff so, dass es nicht zu einer Verschlechterung kommen sollte.

Es ist natürlich nicht unser Anspruch, eine Narbe zu verschlechtern. In der Aufklärung sprechen wir dieses Risiko offen an, und in der Planung richten wir den Eingriff so aus, dass es nicht zu einer Verschlechterung kommen sollte.

In unseren Breitengraden ist die Keloidneigung eher selten - vermehrt findet sie sich in südlicheren Regionen, zum Beispiel in Afrika. Zudem führen wir planmäßige, saubere Operationen durch und müssen nur selten kontaminierte Wunden verschließen.

Was passiert, wenn die Narbe nach der Korrektur nicht wie gewünscht heilt?

Dr. med. Hausding: Dann arbeiten wir zunächst konservativ: mit Kompression, der Behandlung eines möglichen Infekts und einem frühzeitigen Einsatz des Lasers.

Zur Kompression gehören verschiedene Silikonpflaster. Ein Infekt wird lokal behandelt, gegebenenfalls systemisch mit Antibiotika oder mit desinfizierenden Salben. Sobald die Wundheilung abgeschlossen ist, behandeln wir frühzeitig mit dem Laser, um die Heilung weiter zu verbessern.

Eine Revision - also eine erneute Operation - empfehlen wir erst nach sechs Monaten, weil dann der Kollagenaufbau und die Wundheilung abgeschlossen sind.

Nachsorge & Heilung

Wie sieht die Nachsorge aus?

Dr. med. Hausding: Nach der Operation wird noch im OP-Saal ein steriler Verband angelegt. Am nächsten Tag erfolgen bei uns in der Regel der Verbandswechsel und die Desinfektion der Wunde.

Dabei klären wir Sie nochmals über die richtigen Verhaltensweisen auf. Danach sollten Sie das Pflaster - je nach Wunde - alle ein bis zwei Tage selbst wechseln und die Wunde desinfizieren. Nach zwei Wochen werden die Fäden gezogen.

Nach drei Wochen kann eine Narbenmassage beginnen, um die Narbe weicher zu machen. Der Sonnenschutz ist während der gesamten Zeit wichtig: Idealerweise schützen Sie die Narbe sechs Monate vor der Sonne, bei großen Wunden wie Verbrennungswunden auch länger.

Wann darf ich wieder Sport treiben?

Dr. med. Hausding: Sport sollten Sie erst nach Abschluss der Wundheilung beginnen, also nach etwa zwei bis drei Wochen. Extremen Sport mit Zug auf die Narbe empfehlen wir erst nach sechs Wochen.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Fäden entfernt und die Narbe wird stabiler.

Wie erreiche ich Sie, wenn nach der Behandlung Probleme auftreten?

Dr. med. Hausding: Wir sind während der Praxisöffnungszeiten für Sie erreichbar. Bei weiter Anfahrt können Sie uns auch gerne ein Foto per E-Mail schicken.

Besteht am Wochenende ein akuter Notfall, zum Beispiel mit einem starken Infekt, empfehlen wir die Vorstellung in einer KV-Notfallpraxis oder in der Notaufnahme.

Ergebnis & Erwartungen

Was ist bei einer Narbenkorrektur realistisch erreichbar - und wo liegen die Grenzen?

Dr. med. Hausding: Das hängt sehr vom Ausgangsbefund ab. Ein bestimmtes Ergebnis können wir leider nicht garantieren - das kommunizieren wir ganz klar mit Ihnen.

Behandeln wir zum Beispiel das dritte Rezidiv eines Keloids, liegt der Fokus klar auf einem funktionell guten Ergebnis - also darauf, dass die Bewegung wieder möglich ist. Die Grenzen liegen auch im Gewebe, das uns zur Verfügung steht. Da verschiedene Faktoren das Ergebnis beeinflussen, klären wir Sie darüber vor dem Eingriff genau auf.

Verschwindet die Narbe nach der Korrektur komplett?

Dr. med. Hausding: Nein. Eine Narbe wird niemals komplett verschwinden, weil wir immer schneiden müssen. Wir können sie aber sehr dezent und kaum sichtbar machen.

Ein vollständiges Verschwinden ist eine unrealistische Erwartung - das sprechen wir in der Beratung offen an, da es sich kaum oder gar nicht erreichen lässt.

Woran erkennen Sie ein gutes Ergebnis?

Dr. med. Hausding: Zuerst daran, ob Sie als Patientin oder Patient zufrieden sind.

Daneben beurteilen wir die Breite der Narbe, ihre Farbe, die Beweglichkeit - also die Funktion - und wie sich die Narbe in der Bewegung verhält. Endgültig sichtbar und beurteilbar ist das Ergebnis nach etwa sechs Monaten.

Kosten & Krankenkasse

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten - und wann ist eine Korrektur medizinisch indiziert?

Dr. med. Hausding: Das hängt sehr davon ab, wie die Narbe entstanden ist. Bei einer funktionell einschränkenden Narbe nach einer medizinisch indizierten Behandlung übernimmt die Krankenkasse die Kosten - bei einer rein kosmetisch störenden Narbe nach einer kosmetischen Behandlung nicht.

Eine medizinische Indikation besteht, wenn die Narbe zu funktionellen Einschränkungen führt, wenn sie schmerzt oder wenn sie zum Beispiel zu Hautirritationen führt. Letztlich kommt es auf den Einzelfall an.

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